21. December 2009
im Gespräch über Inspirationstourismus, ermüdende Landschaftsbeschreibungen und die Welt als Selbstbedienungsladen

Photo © Sven Paustian
Frau Hoppe, brauchen Sie Orte, um erzählen zu können?
Ja, ich brauche Orte, allerdings nicht unbedingt, um über sie zu schreiben. Noch mehr brauche ich die Bewegung von Ort zu Ort. Das Unterwegssein ist der Motor und das, was das Schreiben trägt.
In Ihrem gerade erschienenen Buch Der beste Platz der Welt finden Sie laut Klappentext einen Sehnsuchtsort im schweizer Wallis. Was macht denn einen Sehnsuchtsort im Allgemeinen aus?
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16. April 2009
im Gespräch über Freiheit, Barfüßigkeit und die plötzliche Zerstörung der Idylle
Photo © Heike Steinweg
Frau Henkel, Ihr letzter Roman Die Anderen spielt an einem indischen Strand, an dem einige deutsche Aussteiger in einer Art Enklave ihr Glück suchen. Haben Sie den Text auch an Ort und Stelle geschrieben?
Überwiegend. Ich war drei Mal mehrere Monate in Goa, habe also dort geschrieben, aber auch in Hamburg. An den Aussteigern hat mich interessiert, wie gerne sie in der Fremde Gruppen bilden und sich ganz eigene Regeln und Grenzen erschaffen. In fast jeder Strandbar wird eine andere Sprache gesprochen, in der einen treffen sich überwiegend Deutsche, in der nächsten Italiener und in der übernächsten Engländer. Das geschieht ganz automatisch, die Sprache, wenn man sie in einem fremden Land fast verliert, verbindet noch mehr als man glaubt.
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24. July 2008
Der Krimirezensent der ZEIT und Sprecher der KrimiWelt-Bestenliste
im Gespräch über Krimi-Hotspots, Pilgerberichte und den 5-Minuten-Ruhm

Photo © Tobias Gohlis
Herr Gohlis, wie sehen die typischen Räume der Kriminalliteratur aus?
Typische Räume sind z.B. Banken und Villen, also Räume der Macht und der Reichen. In Kontrast dazu gibt es, wie bei Edgar Wallace, die Unterwelt, verborgene Räume wie Keller, Tunnel und Gräber. Das, was den Kriminalroman hauptsächlich interessiert, ist der soziale Raum.
Warum sind dann Regionalkrimis so populär?
Der Regionalkrimi ist in eindeutig ein Etikett des Marketings. Das Prinzip des Erfolgs hat Andy Warhol mit dem 5-Minuten-Ruhm umschrieben: es ist eine unglaubliche Überhöhung des alltäglichen Lebensgefühls, wenn man erlebt, dass das alltägliche Umfeld von einem überregionalen Medium wie der Literatur beschrieben wird. Darauf beruht der kommerzielle Effekt. Ich bezweifele aber, dass die genaue Beschreibung eines Briefkastens oder des Bäckers um die Ecke einen Sinn erzeugt.
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