24. July 2008
Der Krimirezensent der ZEIT und Sprecher der KrimiWelt-Bestenliste
im Gespräch über Krimi-Hotspots, Pilgerberichte und den 5-Minuten-Ruhm

Photo © Tobias Gohlis
Herr Gohlis, wie sehen die typischen Räume der Kriminalliteratur aus?
Typische Räume sind z.B. Banken und Villen, also Räume der Macht und der Reichen. In Kontrast dazu gibt es, wie bei Edgar Wallace, die Unterwelt, verborgene Räume wie Keller, Tunnel und Gräber. Das, was den Kriminalroman hauptsächlich interessiert, ist der soziale Raum.
Warum sind dann Regionalkrimis so populär?
Der Regionalkrimi ist in eindeutig ein Etikett des Marketings. Das Prinzip des Erfolgs hat Andy Warhol mit dem 5-Minuten-Ruhm umschrieben: es ist eine unglaubliche Überhöhung des alltäglichen Lebensgefühls, wenn man erlebt, dass das alltägliche Umfeld von einem überregionalen Medium wie der Literatur beschrieben wird. Darauf beruht der kommerzielle Effekt. Ich bezweifele aber, dass die genaue Beschreibung eines Briefkastens oder des Bäckers um die Ecke einen Sinn erzeugt.
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1. December 2007
im Gespräch über simulierte Reisen und Münchner Stüberl
Photo © Peter von Felbert
Herr Ani, Sie leben in München und haben mal die Anfrage erhalten, einen München-Krimi zu schreiben. Daraus entstand Killing Giesing. Sie sagten einmal, dass Sie den Sound der Stadt München genau kennen. Können Sie den Sound beschreiben?
Der Sound der Stadt München ist kein einheitlicher Sound, der sich ins Ohr schlängelt oder voller Harmonie ist. Ich empfinde den Sound eher als disharmonisch, aber nicht im Sinne einer Vielsprachigkeit, sondern eher als Gebell. Ein Teil des Sounds ist Gebell. Die Menschen sprechen nicht – sie bellen. Unabhängig von den Stimmen gibt es einen Klang der Geräusche: Straßenbahnen, Kinder, Autos natürlich – der übliche Stadtpegel. Und der Sound der Gasthäuser gehört ganz stark zu München. Ich bin ein Gasthausbewohner. Ich mag es, wenn sich die Stimmen vermischen und man sie nicht mehr versteht – wie eine merkwürdige Melodie. Der Sound Münchens ist für mich auch immer wieder überraschend sensibel. Sanft einerseits und dabei schönsprachlich, denn es gibt in München eine Art Dialekt, der in sich sehr melodisch ist.
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21. September 2007
Dr. Susanne Geese und Dr. Kerstin Petermann von Viakultura im Gespräch über historische Kriminalromane in Hamburg

Viakultura bietet Führungen zu Tatorten in der Literatur an – durch die Innenstadt Hamburgs, die Speicherstadt und den angrenzenden Hafen …
Geese: Ja, manchmal gibt es die realen Gebäude noch, wie z. B. das Kesselhaus in der Speicherstadt, das in den Kriminalromanen von Boris Meyn vorkommt. Ganze Stadtteile, die in den Romanen auftauchen, gibt es nicht mehr, wie der Holländische Brook – die heutige Speicherstadt –, wo damals holländische Einwanderer gelebt haben. Aber auch heute hat die Speicherstadt viel zu bieten, gerade mit den Speichern, Lastenaufzügen, Fleeten und einer Architektur mit Anklängen an das Mittelalter als Symbol der Wirtschaftsmacht Hamburgs.
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